Nicht erst seit dem Einzug der ersten Fremden, die vor über hundert Jahren kamen, um die Sommerfrische am Wörthersee in einem wahren Naturparadies zu genießen, wissen wir, der Mensch braucht die intakte Natur um seine Gesundheit, sein seelisches Gleichgewicht zu erhalten bzw. wiederherzustellen.
Wachter Claudia, MBA
Geb. 1964. Tourismuslehrgang Universität Klagenfurt, Universitätslehrgang General Management Universität Klagenfurt, dzt. Aufbaulehrgang Tourismusmanagement J.-Kepler-Universität Linz (MBA) und Jus-Studium. Verfassung von wissenschaftlchen Arbeiten im Bereich Tourismus und Qualität, Destinationsmanagement, Betriebsgrößenoptimierung in der Hotellerie. Teilnahme an diversen Arbeitsgruppen: Ramsar-Entwicklung Schiefling, Restruktierung Wörthersee-Tourismus, Tourismus-Ausschuss Carnica-Region-Rosental. Trainerin, Coach und Tourismusunternehmerin.
Kontakt: claudia@schieflingerhof.at
Der Aufenthalt in der freien Natur ist eine wesentliche Grundlage für das Wohlbefinden des Menschen und gerade im Urlaub von höchster Beseutung. Unabhängig davon, ob der Anlass für die Reise ein Familienurlaub, der Kultur – Trip oder ein Wellness – Wochenende ist. Auch unabhänging davon, ob die Gäste im 5 Stern-Deluxe-Hotel oder in der kleinen Frühstückspension logieren – eines haben sie alle gemeinsam: das Bedürfnis, die natürliche Umgebung Ihres Urlaubszieles zu nutzen und genießen.
Achtzig Prozent der Urlaubsreisenden nennen eine schöne Landschaft als wesentliches Kriterium bie ihrer Urlaubsentscheidung. Eine intakte natur setzt der Gast von heute als Basisfaktor voraus – diesem Anspruch haben wir gerecht zu werden, und wir haben ihn nachhaltig zu gewährleisten.
Die Zufriedenheit des Gastes ergibt sich aus einem Austauschprozess zwischen Erwartetem und Wahrgenommenem. Sehr wesentlich ist dabei, was die Erwartung des Gastes prägt: es sind vor allem die Informationen, die er vor seinem Urlaubsantritt wahrgenommen hat. Sie es aus der Werbung, den Prospekten, dem konkreten Angebot seines zukünftigen Gastgebers, den Erzählungen von Freunden und Bekannten und gerade in der REgion Wörthersee auch die durchaus Image prägenden Eindrücke der vielen Filme und Reportagen, die hier gedreht und über die Medien veröffentlicht werden.
Aus diesem Mix von individuellen Informationen und Eindrücken kreiert er in seiner Fantasie sein Bild vom Urlaubsziel und seinem zukünftigen Urlaub. Am Urlaubsort angekommen, ist er permanent mit dem tatsächlich von ihm Wahrgenommenen konfrontiert, das auch sehr stark situativ geprägt ist und vergleicht es mit seinen „Vorab-Vorstellungen“.
Wenn das Erwartete nicht erfüllt wird, ist er unzufrieden, wird es erfüllt, ist er zufrieden, werden seine Erwartungen jedoch übertroffen, ist er begeistert und daraufhin höchstwahrscheinlich ein potenzieller Wiederkehrer.
Die intakte Natur ist in diesem Zusammenhang ein Basisfaktor, den der Gast als selbstverständlich annimmt und als solches erleben möchte. Die Natur ist ein fixer Angebotsbestandteil – überall. Mit der gezielt Thematisierung, Inszensierung und bewusstmachung von nicht Wahrgenommenem können wir in der Natur, wo der Hamburger Freizeitforscher Host W. Opaschowsky zu Recht „Stille statt Abenteuer“ propagiert, stille Begeisterung hervorrufen.
Naturgarten als Raum der Erholung, Ort der Kraft, der Renegation, des Wissens und des Ungewissen öffnet neue Perspetiven eines alten Themas. Geht es doch auch dabei grundsätzlich darum, das Bewusstsein für Vorhandenes aber nicht (mehr) Wahrgenommenes zu schärfen. Sich dem hinzugeben ist eine Herausforderung. Ob für die stille Einkehr am Weg zum Ich, zum Zwecke der Wissenserweiterung oder um von sich abgewendet die Vielfalt der unberührten Natur und die Stille wirken zu lassen, die Möglichkeiten sind vielfältig und einzigartig zugleich.
Im Gebiet Schiefling-Keutschach offenbart eine einzigartige Seen- und Moorlandschaft auf 52 Hektar weite Einblicke in einzigartige Naturschauspiele, beispielhaft sei hier die Lebensform des „Dunklen Wiesenknopf – Amiesenbläuling“ (Schmetterling) genannt. Bei geführten Touren werden hier den Gästen, der Wohnbevölkerung und auch den Schülern die Besonderheiten des Ramsargebietes, Sinn und Nutzen von Rekultivierungs- und Renaturierungsmaßnahmen ebenso nahegebracht wie beispielsweise die Mythen und Sagen um die Salingenweiber und die Geschichte der Pfahlbauten im Keutschacher See. Ab April/Mai kehren im Gebiet um den Sattnitzzug die vom Aussterben bedrohten Zwergohreulen in großer Anzahl aus Afrika zurück und fallen in den Abendstunden durch ihre typische Balzrufe auf. Eine Wanderung auf den dort nahegelegenen Kathreinberg wird durch den Besuch der derzeit ältesten freigelegten Siedlung des Ostalpenraumes (1200 v. Chr.) zum Natur- und Kulturgenuss.
Rund um den Wörthersee lädt ein umfangreiches Wanderwegenetz zum Erkunden der Flora und Fauna. Wer möchte, kann dem Wörthersee-Rundwanderweg folgen und dort die Natur in allen Zügen genießen. Um den wertschätzenden Umgang mit der Natur zu fördern und bewusst zu machen werden auch hier im Sommer für Einheimische wie für Gäste aller Altersgruppen halbtägige Workshops angeboten, in welchen man spielerisch vom Fachmann die „do´s an don´ts“ im Umgang mit den Naturschätzen vermittelt bekommt.
Nur wenn wir Menschen alle die Gesetze der Natur kennen, respektieren und befolgen, können wir einen nachhaltigen Nutzen gewährleisten. Dieser Verantwortung sind sich die Entscheidungsträger bewusst, dem folgend werden Konzepte erstellt und kontinuierlich umgesetz. Nutznießer einer funktionierenden Umweltpolitik sind natürlich alle – auch die Wohnbevölkerung.
In der Region Wörthersee werden seit jahrzehnten gezielte Maßnahmen gesetzt, um den Naturraum vor schädlichen Umweltbelastungen zu schützen. Beispielhaft ist die Erhaltung der Wasserqualität des Sees. Eine Badewann mit 816 Millionen Kubikmetern Wasser, dem Trinkwasserqualität begütet wird, ist wohl enzigartig. Keine Kosten und Mühen werden und wurden gescheut, um diesem Attribut gerecht zu werdne und dies nachhaltig zu sichern. Zudem sind gegenwärtig 21 Fischarten aus dem Wörthersee bekant – ein Artenreichtum der seinesgleichen sucht. Besonders wertvolle Bereiche im Einzugsgebiet des Wörthersees wurden zu Landschafts – und Naturschutzgebieten erklärt.
Laut einer aktuellen Studie sind kanpp 16 Prozent der Fläche des Einzugsgebietes verbaut, 18 Prozent intensiv landwirtschaftlich genutz, 50 Prozent Wirtschaftsgrünland und Wald. Die landwirtschaftlich genutzten Wiesen und Wälder werden größtenteils von ihren Besitzern in ihrer Funktion als Nebenerwerbsbauern gepflegt, eine Form der Landschaftspflege, wo es nicht um Profit, sondern um nachhaltigen Nutzen und Werterhalt geht. Es handelt sich dabei vorwiegend um unentgeltliche Leistungen der damit oft sehr geforderten Grundstückseigner, die Anerkennung und Würdigung verdienen. Auch hier gilt es, ein Gleichgewicht zwischen Schonung und Erhaltung der natürlichen Ressourcen und des Tourismus zu wahren, Grenzen zu setzen und auch zu respektieren.
Im Zeitalter der Bildungs- und Wissensgesellschaft ist der Gast wohlinformiert und gebildet; er kommt nicht, um in die Natur einzugreifen, er kommt, um sie erleben und genießen zu dürfen und ist dafür auch dankbar. Wird ihm Wertschätzung entgegengebracht, wird auch er die nötige Achtung seinem Gastgeber und Gastland gegenüberbringen. Es liegt zuerst an uns, Naturbewusstsein authentiasch vorzuleben, erst dann können wir die herausforderung annehmen, den Gast zu weisen und zu führen, um ihn zu begeistern und seine Wahrnehmung für das Besondere zu schärfen – im Einklang mit der Natur.
Naturärten in welcher Form auch immer sind allpräsent. Die Schaffung von thematisierten Naturgärten als Marke zum Zwecke gezielter Inszenierung und Veranschaulichung von Vorhandenem mit dem Zusatznutzen eines sanften Erlebnis- und Schulungsraumes ist – Feingefühl und Professionalität bei der Umsetzung des Konzeptes vorausgesetzt – aus touristischer Sicht sowohl Sinn stiftend als auch Nutzen bringend und somit zu fördern und gutzuheißen. Als kleine Systeme könnten sie dem Idealbild der Verbindung von angenehmen Lebenraum, Erholungsraum, intaktem naturraum und wirtschaftlichen Nutzen nahekommen und damit auch zur Wertsteigerung des touristischen Angebotes beitragen.
Diesen Beitrag entnahm ich aus dem Buch „Das Herz von Kärnten – Vom Steinbruch zur Naturgartenvision“ und wurde von der Autorin auch für dieses Blog freigegeben.
Am 24. November 2009 von Albert
Kategorie: Autor(inn)enbeitrag, Dorf und Stadt, Marke, die - der Entwicklungsweg, Tourismus, Wirtschaft
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